Warum sind religiöse Gefühle so verletzlich?
Eine wichtige Frage, weil sie über Wohl und Wehe der Religionen entscheidet. Vor Jahrhunderten war völlig klar: Wer etwas gegen die in seiner Region bestimmende Religion sagte, wurde beseitigt, bekam bestenfalls die Chance zur “Besserung”. Da waren viele “gläubig”, auch wenn sie ein eher distanziertes Verhältnis zu Religionen pflegten. Ich denke hier z.B. an den französischen Pfarrer Jean Meslier, der erst in seinem 1.000-seitigen Testament seine abgrundtiefe Verachtung des Christentums hinterließ.
Heute wissen wir über die Welt mehr, als je zuvor und entlarven die “Heiligen” Bücher als nicht göttlich inspiriert, weil sie den Stand damaligen (mangelhaften) Wissens repräsentieren, also von keinem “allwissenden” Wesen gechannelt worden sein können. Deshalb und dank politischer Gegenbewegung zu den starren Religionen, die Menschenrechte statt Gottesrecht durchgesetzt hat, ist die Zeit in Europa vorbei, in der Religion an sich sakrosankt ist. Somit muss sich jeder Gläubige gefallen lassen, dass sein Glaube bestenfalls als Privatsache angesehen wird, schlimmstenfalls als Wahnvorstellung.
Und wenn Dritte hineingezogen werden – z.B. Kinder (Indoktrination, Zwangsbeschneidung), Homosexuelle, Geschiedene, Steuerzahler, Künstler, Autoren, Ärzte, … – dann hört der “Spaß” auf.
Gläubige können ihren Glauben retten, wenn sie sich mit ihm in die Privatsphäre zurückziehen, denn da darf jeder viele verrückte Dinge glauben, solange Familie oder Arbeit nicht darunter leiden. Doch solange sie mit zwangsfinanzierten Kirchentagen, Dotationen seit 1803, dem “3. Weg” im kirchlichen Arbeitsrecht und Einmischung in praktisch alle Belange öffentlichen Lebens auffallen, müssen sie sich gefallen lassen, von einer immer kritischer werdenden Öffentlichkeit unter die Lupe genommen zu werden.
Da es inzwischen viele aufklärerische Werke über Religion gibt, ist der “heilige” Lack ab. Niemand kann mehr ohne Spott über sich ergießen lassen zu müssen die “Heiligen” Schriften wortwörtlich auslegen. Nicht einmal die dort präsentierte “Moral” hält einer Analyse durch moderne, ethische Standards stand. Die Welt wäre also ohne Religionen ein viel friedlicherer Ort. Ich denke hier auch an das Zusammenleben von Menschen in Brennpunkten wie dem Nahen Osten, deren Dauerkrieg rein religiös motiviert ist. Oder den Judenhass, den auch Luther geschürt hat, so dass er unfreiwillig als “Auftraggeber” für die Judenvernichtung im 3. Reich von führenden Nazis benannt wurde.
Toleranz ist keine Einbahnstraße. Wer seinen Spleen respektiert sehen will, muss ertragen – klaglos ertragen – wenn andere dies anders sehen und diese andere Ansicht öffentlich kundtun. Der Respekt kann sich ausschließlich darauf beziehen, dass er seinen Glauben ungehindert ausleben darf, gerne mit Gleichgesinnten, aber im Privaten.
Deshalb: GOTT UND STAAT SEPARAT!
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Von: Bernd Kammermeier
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